Was sind Value Bets?

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Ein Value Bet ist eine Wette, deren Quote eine niedrigere Wahrscheinlichkeit einpreist, als der Ausgang tatsächlich hat. Der Test dafür ist eine einzige Formel: Wahrscheinlichkeit × Quote − 1. Ist das Ergebnis positiv, hat die Wette einen positiven Erwartungswert. Beispiel: Ein Modell gibt einem Sieg 45 % und der Buchmacher bietet Quote 2,50: dann ist 0,45 × 2,50 − 1 = +12,5 %. Über viele gleichartige Wetten hinweg wäre das rentabel. Für die einzelne Wette bedeutet es nichts: bei 45 % verliert sie häufiger als sie gewinnt. Value Bets sind damit kein Tipp-Format, sondern eine Rechenaussage über den Preis.

Wie erkennt man einen Value Bet?

Man braucht zwei Zahlen: die Quote (die steht beim Buchmacher) und eine eigene Wahrscheinlichkeit. Die zweite ist der ganze schwierige Teil. Eine Quote von 2,50 entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 1 ÷ 2,50 = 40 %. Wer den Ausgang für wahrscheinlicher als 40 % hält, hat einen Value Bet gefunden, vorausgesetzt die eigene Schätzung ist besser als die des Markts. Ohne diese Bedingung ist „Value“ nur ein anderes Wort für „ich weiß es besser“, und das trifft bei Sportwetten in der Mehrheit der Fälle nicht zu.

Deshalb ist die Quelle der Wahrscheinlichkeit entscheidender als die Formel. Bei Pronoly entsteht sie modellbasiert mit sportartspezifischen Eingangsgrößen: Fußball, Tennis und Baseball über 20.000 Simulationsdurchläufe pro Spiel, die übrigen vier Sportarten über eine exakt berechnete Ergebnisverteilung, anschließend geblendet mit dem Marktkonsens. Jede Prognose wird vor Anpfiff archiviert und bleibt auf der öffentlichen Auswertungsseite nachprüfbar.

Rechenbeispiele

Erwartungswert bei verschiedenen Quoten und Wahrscheinlichkeiten
QuoteMarkt sagtModell sagtErwartungswertValue Bet?
1,5066,7 %72,0 %+8,0 %ja
2,5040,0 %45,0 %+12,5 %ja
2,5040,0 %38,0 %−5,0 %nein
8,0012,5 %14,0 %+12,0 %ja, aber sehr schwankungsanfällig

Die letzte Zeile zeigt das Problem hoher Quoten: derselbe Erwartungswert, aber die Wette gewinnt nur in etwa einem von sieben Fällen. Es braucht sehr viele Wetten, bis sich das vom Zufall unterscheiden lässt.

Warum eine positive Quote nicht reicht: die Buchmacher-Marge

Die impliziten Wahrscheinlichkeiten eines Marktes summieren sich nie auf 100 %, sondern auf etwas mehr: die Differenz ist die Marge des Buchmachers. Bei Quoten 2,10 und 1,75 ergibt 1 ÷ 2,10 + 1 ÷ 1,75 = 100,8 %, also 0,8 % Marge. Diese Marge muss eine Prognose erst überwinden, bevor überhaupt Value entsteht. Wer die Marge ignoriert, hält Wetten für werthaltig, die nur knapp unter dem faireren Preis liegen.

Die drei häufigsten Denkfehler

  1. Value mit Siegwahrscheinlichkeit verwechseln. Ein Value Bet auf einen Außenseiter verliert meistens. Das ist kein Widerspruch zum positiven Erwartungswert, sondern seine normale Erscheinungsform.
  2. Aus wenigen Wetten auf Können schließen. Bei 30 Wetten liegt die Schwankungsbreite des ROI weit über jedem realistischen Vorteil. Belastbar wird eine Bilanz erst im Bereich einiger Hundert Wetten.
  3. Die eigene Trefferquote nicht gegen den Markt prüfen. Wer 65 % der Spiele richtig vorhersagt, klingt gut, bis man feststellt, dass der Buchmacher-Favorit dieselben Spiele zu 64 % richtig trifft. Der Vergleichswert ist immer der Markt, nicht Null.

Häufige Fragen

Sind Value Bets legal?

Ja. Es geht um die Bewertung eines angebotenen Preises, nicht um eine Umgehung von Regeln. Buchmacher können Konten allerdings nach eigenen Geschäftsbedingungen einschränken.

Garantiert ein positiver Erwartungswert Gewinn?

Nein. Er beschreibt einen Durchschnitt über viele Wiederholungen unter der Annahme, dass die zugrunde liegende Wahrscheinlichkeit korrekt geschätzt ist. Beide Bedingungen (viele Wiederholungen und korrekte Schätzung) können in der Praxis verletzt sein.

Wie viel sollte man auf einen Value Bet setzen?

Das Kelly-Kriterium liefert die mathematisch wachstumsoptimale Einsatzhöhe. In der Praxis wird üblicherweise ein Bruchteil davon verwendet, weil die geschätzte Wahrscheinlichkeit selbst fehlerbehaftet ist.

Hinweise

Pronoly ist ein Statistik- und Informationsangebot: Es werden keine Wetten vermittelt und keine Einsätze entgegengenommen. Alle Rechenbeispiele auf dieser Seite sind Mathematik, keine Ertragsaussage — ein positiver Erwartungswert sagt nichts über den Ausgang einer einzelnen Wette und garantiert keine Rendite. Angebot ab 18 Jahren. Bei Anzeichen von Spielsucht hilft die BZgA-Hotline 0800 1 37 27 00 (kostenlos und anonym).